Mehr als die Hofnachfolge sichern

Wie resilient sind Agrarsysteme in der EU gegenüber dem demographischen Wandel? Das hängt vor allem von der Qualität des Generationswechsels ab, wie eine Studie zeigt.

05.06.2020 · FV Lebensmittel & Ernährung

Das SURE-Farm Projekt unter Leitung der Universität Wageningen und Beteiligung des IAMO sowie zahlreicher weiterer Partner aus verschiedenen europäischen Ländern ist der Frage nachgegangen, inwieweit die EU-Agrarsysteme gegenüber dem demographischen Wandel resilient sind. Im aktuell veröffentlichten Business Brief zum Generationswechsel in der Landwirtschaft wird auf Basis quantitativer und qualitativer Analysen herausgearbeitet, dass die diesbezüglichen Herausforderungen weniger darin bestehen, ob auf genügend landwirtschaftlichen Betrieben eine Hofnachfolge stattfinden kann, als darin genügend qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Das gilt umso mehr, weil schon heute ein erheblicher Teil der Arbeit in der Landwirtschaft durch dauerhaft und saisonal beschäftigte Lohnarbeitskräfte erbracht wird, die nicht selten aus dem Ausland kommen. Künftig wird die Landwirtschaft noch mehr als jetzt mit wirtschaftsstärkeren Sektoren und Regionen um die zahlenmäßig deutlich geringeren jüngeren Jahrgänge konkurrieren.

Sofern qualifizierte Arbeitskräfte verfügbar und von den Betrieben bezahlbar sind, können bestehende Agrarsysteme ihre gesellschaftlichen Funktionen selbst dann weiter erfüllen, wenn mittelfristig ein erheblicher Teil der Betriebe im Rahmen des Generationswechsels aus der Produktion ausscheidet. Insbesondere in kleinbetrieblichen Strukturen ergeben sich für die verbliebenen Betriebe dann sogar bessere Entwicklungsmöglichkeiten, die die Leistungsfähigkeit des Sektors verbessern können.

Allerdings ergeben sich daraus sowohl für die Betriebe als auch die Agrarsysteme insgesamt besondere Herausforderungen hinsichtlich der eigenen Qualifizierung als auch der des potenziellen Arbeitskräftepools. Lebenslanges Lernen wird angesichts der weiteren Technologisierung und Digitalisierung der Landwirtschaft zunehmend wichtiger. Das bedeutet umgekehrt allerdings auch, dass sich jüngere Leute einschließlich potentieller Hofnachfolgerinnen und Nachfolger mit Interesse an der Landwirtschaft weniger Sorgen um berufliche Perspektiven einer landwirtschaftlichen Ausbildung machen sollten als etwa um die Frage ob eine Hofnachfolge wirtschaftlich wie mental eine langfristig tragfähige Perspektive bietet.

Mit Blick auf intersektorale und interregionale Konkurrenz um diese jüngere Generation wie auch die Akzeptanz des weiter unvermeidlichen technologischen und agrarstrukturellen Wandels wird zunehmend wichtig, das Ansehen der Landwirtschaft und der ländlichen Räume zu verbessern. Um die vorhandenen Chancen und Potentiale nutzen zu können, sollte der Fokus stärker auf die Qualität des Generationswechsels als auf die Zahl der Hofnachfolgen gelegt werden.

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