Auf der Suche nach dem Gleichgewicht

Um Landwirtschaft und Biodiversität besser in Einklang zu bringen, entwickelt ein neues Projekt Konzepte für den Schutz der Artenvielfalt in vier europäischen Pilotregionen.

11.01.2020 · FV Lebensmittel & Ernährung

Am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. ist das Projekt „SALBES“ gestartet. Gemeinsam mit Partnern aus Deutschland, Estland, Österreich und der Schweiz sollen in den nächsten drei Jahren Konzepte für den Schutz der Biodiversität in vier beispielhaften Agrarlandschaften Europas entstehen. Mit computergestützten Modellen blicken die Forschenden hierzu in die Zukunft der Landwirtschaft und berechnen, wie sich landwirtschaftliche Nutzung, Klimawandel und Schutz der biologischen Vielfalt zukünftig besser in Einklang bringen lassen. Koordiniert wird das Projekt vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V.

Agrarlandschaften bedecken große Teile Europas. Allein in Deutschland werden mehr als die Hälfte der Böden landwirtschaftlich genutzt. Äcker, Wiesen und Weiden sind aber nicht nur Voraussetzung für unsere Nahrungsmittelproduktion und Grundlage der landwirtschaftlichen Betriebe, sondern auch wichtige und schützenswerte Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Um Schutz und Nutzung zukünftig besser in Einklang zu bringen, entwickeln die Partner im Projekt „SALBES“ mögliche Zukunftsszenarien für die Landwirtschaft. Das Ziel: möglichst realistische Handlungsräume für die Anliegen der Produzenten und des Natur- und Umweltschutzes bestimmen. 

Wie groß ist der sichere Handlungsspielraum?

Wie wirken sich Klimawandel und sich ändernde sozio-ökonomische Rahmenbedingungen auf die landwirtschaftliche Produktion aus? Welche Herausforderungen ergeben sich hieraus für die Biodiversität auf den Feldern und in angrenzenden Ökosystemen?
Dabei ist die Frage, welche Handlungsmöglichkeiten Landwirte und Gesellschaft überhaupt haben. Das Konzept des „Safe Operating Space“ auch sicherer Handlungsraum genannt, ist ein international anerkanntes Konzept, das erstmals 2009 von Umweltforschern und -forscherinnen vorgestellt wurde. Ursprünglich für den ganzen Planeten angewendet, definieren neun „planetarische Grenzen“ dabei den Handlungsraum der Umweltveränderungen durch Menschen. Werden diese Grenzen überschritten, kann dies zu einer möglicherweise unumkehrbaren Veränderung unserer Umwelt führen – und das Leben auf der Erde stark negativ beeinflussen. Eine dieser planetarischen Grenzen ist der Verlust von Biodiversität, die möglicherweise bereits überschritten wurde, z.T. verursacht durch veränderte Landnutzung in den letzten Jahrhunderten.

Aber gerade der Zusammenhang zwischen Agrarlandschaften und Biodiversität wirft noch viele Fragen auf, sodass sich die Forschenden des Projektes SALBES zum Ziel gesetzt haben, einen „sicheren Handlungsspielraum“ für die Veränderungen der Agrarlandschaften an vier europäischen Beispielen zu bestimmen und Handlungsvorschläge für die Politik sowie alle Nutzer von Agrarlandschaften zu entwickeln. Mit Hilfe von Klimamodellen, Interviews und Workshops mit Akteuren aus den vier Untersuchungsregionen entstehen verschiedene Szenarien für die Zukunft der Landwirtschaft und Landschaft im Rahmen des Safe Operating Space. Diese werden mit ökonomischen und ökologischen Modellen bzgl. ihrer Auswirkungen untersucht und die Ergebnisse den beteiligten Akteuren aus Praxis und Politik präsentiert.  

Förderhinweis:

Das Projekt wird gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Projektpartner: 

  • Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. (Koordinator, Deutschland) 
  • Agroscope (Schweiz) 
  • Universität für Bodenkultur Wien (Österreich)
  • Estnische Universität der Umweltwissenschaften (Estland) 
  • Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (Deutschland)
  • Stiftung Westfälische Kulturlandschaft (Deutschland)
  • Universität Wien (Österreich)
Kontakt der Pressestelle des ZALF:

Hendrik Schneider
Leiter Presse- und Öffentlichkeitarbeit
T +49 (0)33432 82-405
E-Mail: public.relations@zalf.de