Auf dem Weg zu einer pestizidfreien Landwirtschaft:

20 europäische Forschungeinrichtungen gründen Forschungsallianz: Den Einsatz von chemischen Pestiziden in der Landwirtschaft auf ein absolutes Minimum reduzieren: das ist die gemeinsame Vision einer jetzt ins Leben gerufenen Forschungsallianz. Am 23. Februar 2020 unterzeichneten 20 Forschungsorganisationen aus 16 europäischen Ländern auf der Internationalen Landwirtschaftsausstellung in Paris und im Beisein des französischen Landwirtschaftsministers Didier Guillaume eine gemeinsame Erklärung. Das Ziel ist zunächst die Erstellung eines wissenschaftlichen Fahrplans, welcher der Europäischen Kommission als Beitrag zum Europäischen „Green Deal“ in Kürze vorgelegt werden soll.

24.02.2020 · FV Lebensmittel & Ernährung

Angetrieben von einer deutsch-französischen Initiative, dem französischen Institut INRAE und seinen deutschen Partnern, dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. und dem Julius-Kühn-Institut – Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI), führt die Vision einer Landwirtschaft ohne chemische Pestizide jetzt zu einer intensiveren europweiten Forschungszusammenarbeit. Denn, kaum ein Thema mit Landwirtschaftsbezug wird aktuell so stark diskutiert. Um den agroökologischen Übergang hin zu einer deutlich pestizidärmeren Landwirtschaft zu beschleunigen, zielt die gemeinsame Absichtserklärung "Auf dem Weg zu einer pestizidfreien Landwirtschaft" darauf ab, neue gesamteuropäische Forschungs- und Versuchsstrategien zu entwickeln.

Seit fast 18 Monaten intensivieren das französische National Research Institute for Agriculture, Food and Environment– INRAE gemeinsam mit seinen deutschen Partner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI) einen Dialog zwischen europäischen Forschern und Interessenvertretern, um eine gemeinsame Forschungsstrategie festzulegen. Ihr Ziel ist ehrgeizig: Sie wollen eine neue transdisziplinäre und von mehreren Interessengruppen getragene Forschungsstrategie definieren, die es ihnen ermöglicht, Lösungen für den Übergang zu einer chemikalienfreien Landwirtschaft auf dem ganzen Kontinent anzubieten. In der gestern unterzeichneten Absichtserklärung teilen nun 20 europäische Forschungsinstitute diese Vision.

Die Vereinbarung entspricht dem Europäischen „Green Deal“ für einen nachhaltigen ökologischen Übergang in Europa, der von der Europäischen Kommission im Dezember 2019 angekündigt wurde, um die Annahme ehrgeiziger Maßnahmen zu fördern. Die angekündigten Maßnahmen betreffen mehrere Sektoren – Landwirtschaft, Lebensmittel und Umwelt – mit dem Ziel, eine nachhaltige Landwirtschaft zu entwickeln und gesunde Lebensmittel zu produzieren, während gleichzeitig produktive und wirtschaftlich gesunde Agrar- und Lebensmittelsysteme aufrechterhalten werden sollen.

Durch ihr Netzwerk haben die 20 unterzeichnenden Organisationen bereits zahlreiche gemeinsame Forschungsansätze erarbeitet, wie z. B. die bessere Nutzung agro-ökologischer Prinzipien zur Entwicklung krankheitsresistenter Produktionssysteme, die Nutzung des hohen Potentials der Pflanzenauswahl, die Entwicklung des Einsatzes neuer Technologien und Agrarausrüstungen sowie das Verständnis der Hebel und Hindernisse des sozioökonomischen Übergangs. Die in Ausarbeitung befindliche Roadmap stellt die derzeitigen Forschungsmethoden in Frage, indem sie systemische und multidisziplinäre Ansätze integriert. Die neuen Methoden müssen die Verbindungen zwischen der Wissensproduktion und dem Experimentierprozess sowohl im Labor als auch im Feld verstärken.

Das Ziel ist ein offenes Wissenschaftssystem, in dem die Forscherinnen und Forscher eng mit der Landwirtschaft zusammenarbeiten, um schneller auf Veränderungen reagieren zu können, Ergebnisse schneller in die Praxis zu bringen und Lösungen in größerem Maßstab und angepasst an die Vielfalt der Klima- und Bodenverhältnisse effizienter entwickeln und testen zu können.  

Die 20 Forschungseinrichtungen beschließen, gemeinsam zu handeln, um Alternativen zur Verwendung chemischer Pestizide in Europa zu finden und die nationale und europäische Politik zu unterstützen.

Die Unterzeichner:
  • Aarhus University, Denmark
  • Agricultural Academy, Bulgaria
  • Agricultural University of Athens, Greece
  • Agroscope, Switzerland
  • Department of Agricultural and Environmental Chemistry, University of Life Sciences in Lublin, Poland
  • Hungarian Research Institute of Organic Agriculture, Hungary
  • French National Research Institute for Agriculture, Food and Environment– INRAE, France
  • Institute of Agroecosystems and Soil Sciences of Vytautas Magnus University Agriculture Academy, Lithuania
  • Institute of Agriculture and Food Biotechnology – IBPRS, Poland
  • Julius Kühn-Institute – JKI, Germany
  • Latvia University of Life Sciences and Technologies, Latvia
  • Leibniz Centre for Agricultural Landscape Research – ZALF, Germany
  • National Agriculture Research and Innovation Centre – NAIK, Hungary
  • Natural Resources Institute Finland – Luke, Finland
  • Rzeszow University of Technology, Poland
  • Sant’Anna School of Advanced Studies, Italia
  • Swedish University of Agricultural Sciences – SLU, Sweden
  • Teagasc - Agriculture and Food Development Authority, Ireland
  • University of Agricultural Sciences and Veterinary Medicine - USAMV – Bucharest, Romania
  • Zagreb University, Faculty of Agriculture, Croatia
Weitere Informationen:

Memorandum of Understanding
Gemeinsame Absichtserklärung – zwischen den Partnern der Europäischen Allianz „Auf dem Weg zu einer chemiepestizidfreien Landwirtschaft“ 

Originale Pressemitteilung

Kontakte:

Pressekontakt:
Hendrik Schneider
Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: + 49 (0) 33432 82-405
Mobil: + 49 (0) 151 405 455 00
E-Mail: public.relations@zalf.de

Fachkontakt:
Prof. Dr. Frank Ewert
Wissenschaftlicher Direktor
Telefon: + 49 (0) 33432 82-200
E-Mail: wissdirektor@zalf.de