Leibniz-Forschungsverbund „Lebensmittel & Ernährung”

© DIfE - Till Budde

Lange Nacht der Wissenschaften - Berlin/Potsdam

Die "Klügste Nacht des Jahres" versammelte Besucher aus Berlin und Umgebung im Atrium der Leibniz-Gemeinschaft. Das Projekt "Proteinparadoxa" des Leibniz-Forschungsverbund "Lebensmittel und Ernährung" lockte bis spät in die Nacht mit Insektensnacks als Zwischenmahlzeit und Futter für das Gehirn in Form des Spiels "ProteinPaare", bei welchem - analog zum bekannten Memory - verschiedene Proteinexponate in Petrischalen mit den betreffenden Bildern in Verbindung gebracht werden mussten. Auf dieser Basis entstanden angeregte Gespräche über mögliche Proteinversorgungsstrategien der Zukunft.

In Hinblick auf eine drastisch wachsende Weltbevölkerung, die sich mit abnehmenden Wasserressourcen und mangelnden landwirtschaftlich nutzbaren Flächen auseinanderzusetzen hat, gewinnt die Frage nach gesunder und nachhaltiger Proteinversorgung an drängender Bedeutung. Kommt jetzt also der Mehlwurmkeks trotz deutlicher Bedenken auf den Tisch? Wie geht man mit traditionell gewachsenen Formen der Ernährung um, die so vielseitig wie unsere Weltbevölkerung sind? Sammeln sich im Insektenkörper Toxine, wenn diese auf z.B. schimmeligem Substrat gewachsen sind, die den Tieren nicht schaden, möglicherweise aber dem Menschen, der sie isst? 

Andere Ansätze verfolgen die Frage nach Insekten als Futtermittel für die Fisch-, Hühner- und Schweinezucht. Orientiert man sich am Vorbild der Natur, dann ist die Versorgung von Nutztieren mit Futterinsekten naheliegend. Doch auch hier gilt zunächst die Erforschung  möglicher Anwendungen um deren Vor- oder Nachteile abwägen zu können. 

Und was ist mit den vielen anderen Proteinquellen? Das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) beispielsweise beschäftigt sich mit der Frage nach mehr Tierwohl in unseren Ställen. Moderne Sensoren ermöglichen die Überwachung der Vitalparameter von Kühen, wie Herz- und Atemfrequenz, mit dem Ziel das Stallinnenklima so dem Temperaturoptimum der Tiere anzupassen. Uns Städtern mag es gefallen, wenn die Rinderherden auf der Weide stehen, doch für diese ist es wenigstens in den Sommermonaten purer Stress, sind sie doch an niedrige Temperaturen angepasst und fühlen sich bei etwa 10°C am wohlsten. 

Auch die Frage nach dem Wasserfußabdruck verblüffte die Besucher. Was heiß es, wenn für die Produktion von 200 Gramm Rindfleisch 3.000 Liter Wasser benötigt werden? Den wenigsten ist bekannt gewesen, dass hierbei die Produktion von Futtermitteln einbezogen worden ist, die bis zu 95% dieser Zahl ausmacht. In Gegenden mit ausreichend Niederschlag ist die Rindfleischproduktion also kein Problem. Anders sieht es aber aus, wenn sogenanntes Blaues Wasser zu Bewässerung der Felder genutzt wird. Aktuell arbeitet das ATB zusammen mit einer Expertenkommission der Food and Agriculture Organization (FAO) daran, diese Fakten in die Berechnungsstandards des Wasserfußabdruckes einzubeziehen. 

Doch auch pflanzliche Proteinquellen müssen in diese Betrachtung einbezogen werden. Die Leguminosen, also Erbse, Bohne, Lupine und Co, werden wiederentdeckt und erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Deren Proteingehalt liegt zwar unter dem von Fleisch und sogar weit unter dem verschiedener Insektenarten, doch kann eine ausgewogene Ernährung hier gute Ergebnisse erzielen. Das die Gesundheit im Alter durch verminderten Fleisch- und gesteigerten Leguminosengenuss erhalten werden kann, erforscht das Deutsche Institut für Ernährungsforschung (DIfE).

Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) schließlich stellte sein "Tomatenfisch-Projekt" vor. Hierbei ist die Produktion von Tomaten und Fisch in einer Aquaponikanlage möglich, die nur minimalen Zusatz von Futtermitteln, Energie und Wasser nötig macht. Gerade für aride Regionen der Erde könnte so die Versorgung mit frischem Gemüse und nachhaltig produzierten Proteinen erschlossen werden.

Ausgestattet mit einer Vielzahl neuer Informationen und einem Beutelchen Leguminosensamen zur Begrünung der heimischen Verkehrsinsel verließen die Gäste das Haus der Leibniz-Gemeinschaft und es endet eine Nacht, die uns alle ein bisschen klüger gemacht hat.


Eindrücke der LNdW - Berlin/Potsdam



Der Stand des LFV LE, der mit seinem Projekt "Proteinparadoxa" aufwarten konnte, lockte zahlreiche interessierte Besucher an.

 

Mit tatkräftiger Unterstützung durch das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V. wurde die Lange Nacht der Wissenschaften erfolgreich und spannend für groß und klein.

 


Welches Bild gehört zu welchem Exponat und wie könnte die Proteinversorgung der Zukunft aussehen? Angeregte Unterhaltungen entstanden am Tisch des LFV LE.

  


Lange Nacht der Wissenschaften

Die Lange Nacht der Wissenschaften in Berlin und Potsdam findet einmal jährlich statt und ist ein Gemeinschaftsprojekt der wissenschaftlichen Einrichtungen der Region. Veranstalter ist der Lange Nacht der Wissenschaften e. V., in dem sich wissenschaftliche und wissenschaftsnahe Einrichtungen zusammengeschlossen haben. Die Programmangebote in den jeweiligen Häusern liegen in der Eigenverantwortung der teilnehmenden Einrichtungen.