Leibniz-Forschungsverbund „Lebensmittel & Ernährung”

© DIfE - Till Budde

GFFA 2018

Futter zum Leben! Alternativen für den Futtermittelsektor

Die globale Futtermittelproduktion versorgt Millionen Menschen mit Nahrung, Arbeit und Einkommen. Tiefgreifende Entwicklungen der letzten Dekaden machen Zucht, Fütterung und Tierhaltung effektiver als je zuvor, wodurch der Tierhaltungssektor rapide und anhaltend wächst und die individuellen Lebenszyklen der Tiere massiv beschleunigt werden. Daraus resultiert, dass "moderne" Tiere, darunter auch Fische, in verkürzter Zeit deutlich mehr Fleisch, Eier oder Milch produzieren, als noch vor hundert Jahren.  
Doch diese rasante Steigerung hat ihren Preis: schon jetzt wird ein Drittel der global verfügbaren Ackerfläche für die Futtermittelproduktion genutzt und große Teile des weltweiten Fischfangs landen in verschiedener Form in den Futtertrögen der Tiere. Abhängig von der Art der Futtermittelproduktion entstehen viele negative Einflüsse auf die Umwelt, welche es zu reduzieren gilt. Zudem gehen bei der Umwandlung "vom Korn zum Fleisch" wertvolle Nährstoffe verloren, die hungernde Menschen anderweitig ernähren könnten. 

Diese komplexen Zusammenhänge aufgreifend lädt der Leibniz-Forschungsverbund "Nachhaltige Lebensmittelproduktion und gesunde Ernährung" (LFV LE) zum Fachpodium seines Projektes "Proteinparadoxa" ein. Zusammen mit externen Experten werden unsere Wissenschaftler Alternativen zu konventionellen Fütterungskonzepten diskutieren.

  • Wir schlagen einen neuen Ansatz in Sachen Tierfutter vor, der sich stärker als bisher alternative Proteinquellen wie Insekten, Algen und Leguminosen zunutze macht.
  • Wir werden uns mit der Frage auseinandersetzen, inwieweit der Einsatz von Kraftfutter sinnvoll ist, wenn Weidetiere wie Kühe, Ziegen und Schafe Gras in wertvolles Protein umwandeln und Schweine, Hühner und Fische Abfälle aufwerten können.
  • Wir untersuchen neue Systeme wie Integrierte Multitrophe Aquakultur (IMTA, Meeresfrüchte und Seefisch) und Aquaponikanlagen (Süsswasserfisch), die beide versuchen nach dem Vorbild der Natur Kreislaufprinzipien anzuwenden.
  • Zuletzt stellen wir uns die Frage, ob alternative Futterproduktion die steigende Nachfrage nach tierischem Protein stillen kann, oder ob die nachhaltige Produktion tierischer Eiweiße nur begrenzt möglich sein kann.

Alle Gäste bringen ihre eigenen einzigartigen Erfahrungen und Hintergründe in die Diskussion ein und sind willens mit dem informierten und interessierten Publikum in einen anspruchsvollen und anregenden Austausch zu treten.


Moderation - Prof. Dr. Thomas Herzfeld

Prof. Dr. Thomas Herzfeld ist seit Oktober 2011 Direktor am Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien  (IAMO) und leitet die Abteilung Agrarpolitik. Er studierte Agrarwissenschaften, Fachrichtung Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, an den Universitäten in Halle (Saale), Kiel und an der Ecole national supérieure agronomique in Rennes, Frankreich. Die Promotion erfolgte durch die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 2004 und die Habilitation 2008 ebenfalls in Kiel. Von 2007 bis 2011 war er Assistant Professor an der Universität Wageningen/Niederlande. Gleichzeitig mit der Übernahme der Position am IAMO wurde er zum Professor für "Politik und Institutionen im Agrarsektor" an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) berufen. 


Prof. Dr. Harry Aiking

Harry Aiking arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Indiana University in Bloomington, USA, 1978-79. Anschließend wurde er im KWF (Dutch Cancer Fund) an der Central Blood Bank Laboratory in Amsterdam tätig bevor er 1980 an die VU Universität in Amsterdam kam. Er war Berater des niederländischen Generalstaatsanwaltes in Fragen von industrieller Bodenverschmutzung (seit 1987) und ist eingetragener europäischer Toxikologe seit 1997. Von 1999-2005 leitete er das NWO Programm PROFETAS (Protein Foods, Environment, Technology And Society). Weiterhin veröffentlichte er mehr als 380 Publikationen. In Mai 2014 ging er als Professor in "Chemistry & Food" in Pension und betreute weiterhin Doktoranden am Institut für Umweltwissenschaften (IVM-VU) an der Vrije Universiteit Amsterdam (VU). Seit Dezember 2017 arbeiter er wieder als Professor für "Sustainability & Food". Dabei liegen seine Arbeitsfelder in den Bereichen "Ernährungssicherung" und "Nachhaltigkeit von  Lebensmitteln" am Institut für Umweltwissenschaften (IVM-VU) an der VU Universität Amsterdam .

Standpunk: "Tierfutter sollte nicht mit Nahrung um knappe Ackerfläche, Wasser und Treibstoff konkurrieren - Gras und Abfälle sollten ausreichen".


Prof. Dr. Werner Kloas

Prof. Dr. Werner Kloas ist seit 1999 Abteilungsleiter der Abteilung „Binnenfischerei“ am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und seit 2002 Professor für Endokrinologie an der Humboldt-Universität zu Berlin, Deutschland. Dabei sind die Forschungsschwerpunkte bei "Molecular mechanisms of development and differentiation in fishes and amphibians" sowie "Endocrine disruption of reproduction and thyroid system in amphibians and fishes". Seine Promotion absolvierte er von 1986-1990 an der Fakultät für Bio- und Geowissenschaften und am Zoologischen Institut II der Universität Karlsruhe sowie in der Abteilung Reproduktionsbiologie des Deutschen Primaten Zentrums Göttingen. Anschließend arbeitete er bis 1992 als Postdoctoral fellow am "European Institute for Peptide Research", Stipendiat der DFG (Kl 745/1-1). Die Habilitation im Fach Zoologie an der Fakultät für Bio- und Geowissenschaften der Universität in Karlsruhe erlangte er im Anschluss im Jahr 1995. Zudem arbeitete er von 1993-1996 als Wissenschaftlicher Assistent am Zoologischen Institut II der Universität Karlsruhe und war danach bis 1999 Hochschuldozent am selbigen Institut. Im Jahr 1999 war er zudem die Lehrstuhlvertretung.


Dr. Holger Kühnhold

Dr. Holger Kühnhold arbeitet seit 2013 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in der Abteilung Ökologie der Arbeitsgruppe Ökophysiologie und Aquakultur. Seine Forschungsschwerpunkte sind die "Marine Aquakultur" mit Schwerpunkt "Tropen", Ökosystem basierte Systeme nach dem Konzept der integrierten multitrophischen Aquakultur (IMTA), Effizienzsteigerung der Energiebilanz durch Mehrfachnutzung von Futtermitteln (integrierte Systeme) und Einsatz von Alternativen zu Fischmehl und Fischöl (z.B. Mikroalgen) sowie Verringerung des ökologischen Fussabdrucks durch Bioremediation. Im Jahr 2017 promovierte er an der Fakultät für Biologie und Chemie an der Universität Bremen.

Standpunkt: "Marine Aquakultur kann in integrierten multitrophischen Systemen nachhaltig gestaltet werden, hierbei werden Futtermittel durch die vermehrte Zucht von Algen und Herbivoren sowie durch das wiederverwerten von Abfallprodukten eingespart, solche Polykulturen haben das Potential einen erheblichen Teil zur globalen Proteinversorgung beizutragen. Integrierte Multitrophe Aquakulturen (IMTA) sparen Futtermittel, reduzieren Abfall und steigern die Proteinausbeute. Sie sind somit der Weg zur nachhaltigen Produktion von Meerestieren."


Dr.-Ing. Oliver Schlüter

Dr. Oliver Schlüter promovierte im Bereich Lebensmitteltechnologie an der Technischen Universität Berlin und ist seit 2003 Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) in der Abteilung Technik im Gartenbau. Seine Forschungsbereiche sind "Neuartige Technologien in der primären Lebens-mittelproduktion (high pressure, ozone, plasma etc.) und Verarbeitung frischer Lebensmittel  (Früchte, Gemüse, Milch, Fleisch)", "Optimierung und Innovation von Verfahrensschritten entlang der Wertschöpfungskette verderblicher Lebensmittel (z.B. RFID-Technologie)" sowie "Nicht-destruktives Qualitäts- und Sicherheitsmonitoring (Fluoreszenz-Bildanalyse, Durchflußzytometrie, Biosensoren, etc.)". Seit 2007 ist er stellvertretender Leiter der Abteilung Technik im Gartenbau am (ATB). Weiterhin leitet er seit 2008 die Arbeitsgruppe "Lebensmittelsicherheit" und ist seit 2011 Programmkoordinator des Forschungsprogramm "Qualität und Sicherheit von Lebens- und Futtermitteln".


Dr. Henning Steinfeld

Dr. Henning Steinfeld ist ein Agrarökonom sowie Nachhaltigkeitsexperte mit der Spezialisierung auf Nutztierhaltung, Klimawandel und landwirtschaftliche Entwicklung. Er ist FAO Koordinator des "Livestock Information, Sector Analysis and Policy Branch" (AGAL) in der Abteilung "Animal Production and Health" (AGA) und befasst sich mit Armutsproblematik, gesundheitlichen Gefährdungen von Mensch und Tier sowie mit den Belangen der Nachhaltigkeit für die Umwelt. Er ist  FAO Koordinator der "Livestock, Environment and Development Initiative" (LEAD) und FAO Koordinator der "Global Agenda for Sustainable Livestock". In den Jahren 2005 und 2010 war er Gastdozent an der Stanford University (Center for Environ-mental Science and Policy, Institute for Foreign Studies) und bekam 2012 eine Ehrenpromotion in Tiermedizin, Uppsala Agricultural University. Seine berufliche Laufbahn begann er mit Forschungs- und Entwicklungs-aufträgen in Ghana, Ethiopia, Zimbabwe und Rwanda. Im jahr 1990 trat er der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) bei und arbeitete seit 1992 im Bereich Nutztier-wissenschaften in zahlreichen Positionen.

Standpunkt: "Zur Lösung der „Proteinproblematik“ sind innovative Ideen nötig."


GFFA 2018

Das 10. Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) findet unter dem Motto: "Die Zukunft der tierischen Erzeugung gestalten – nachhaltig, verantwortungsbewusst, leistungsfähig" vom 18. bis 20. Januar 2018 statt. 

Das Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) ist eine internationale Konferenz zu zentralen Zukunftsfragen der globalen Land- und Ernährungswirtschaft. Das Forum bietet Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft Gelegenheit, sich über ein aktuelles agrarpolitisches Thema auszutauschen und politisch zu verständigen.