Leibniz-Forschungsverbund „Lebensmittel & Ernährung”

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Auftaktveranstaltung zum Protein Paradoxes Projekt

Die Auftaktveranstaltung für das Projekt fand am 01.12.2016 in der Zentrale der Leibniz-Gemeinschaft statt. Auf der Veranstaltung wurden die Ziele sowie die Umsetzung vorgestellt und diskutiert. Das vierjährige Projekt, konzentriert sich in der 1 Phase auf die Etablierung einen PostDoc Netzwerkes, welches durch Treffen, Podiumsdiskussionen mit Forschern und die bevorstehenden „Grand Challenge Workshops“ verfestigt werden soll. Phase 2 wird sich auf die Veröffentlichung der Workshopergebnisse sowie auf zukünftige Forschungsfragen und gemeinsame Projekte der Partner konzentrieren. Diese beiden Phasen greifen stark ineinander und überlappen sich.

Prof. Dr. Christa Kühn, Co-Referentin für Proteinforschung des LFV, stellte die drei Hauptziele des Projekts vor. Es werden drei Paradoxien des Proteinverbrauchs und der Eiweißproduktion beschrieben, jedes dieser kritischen Paradoxien wird in einer Working Unit untersucht.

 

1. Wettbewerb um die landwirtschaftliche Nutzung und die zukünftigen Auswirkungen des Klimawandels

WU 1: Nahrungsmittelsicherheit von Proteinen unter den Bedingungen des Klimawandels.

 2. Globales Ungleichgewicht beim Proteinkonsum

WU 2: Aspekte der Ernährung und der Gesundheit sowie Konsumentenpräferenzen für Nahrungsmittel auf Proteinbasis.

 1. Widersprüche zwischen Mensch, Tier und Umwelt

WU 3: Intelligente Proteinproduktion und funktionelle Lebensmittel.

 

Prof. Dr. Harry Aiking vom Institut für Umweltstudien der Freien Universität Amsterdam hielt einen Gastvortrag währen der Kick-Off-Veranstaltung. Prof. Dr. Aiking sprach über die große doppelte Herausforderung der nachhaltigen Ernährungssicherheit, die Verdoppelung der Lebensmittelproduktion und die Auswirkungen bis 2050. Die Komplexität zukünftiger Nachhaltigkeit von Lebensmitteln, die sich mit zeitlichen und kontextuellen Aspekten verschiebt, steigt mit der steigenden Nachfrage und dem Wohlstand von Weltbevölkerung. Das "Big Picture" erfordert daher interdisziplinäre Arbeit, die Einbeziehung aller Interessengruppen und integrierte Verbraucherpolitik.

 

Die aufkommende Krise wird unterschätzt, auch wenn die Ertragssteigerungen nachlassen und die Schätzungen der extremen globalen Lebensmittelpreise stark steigen. Der Klimawandel und der Abbau natürlicher Kapazitäten erhöhen die Dringlichkeit, zum Beispiel durch die Quantifizierung und Überschreitung der Grenzen der Planeten. Der Verlust an Biodiversität, der Stickstoffkreislauf und der Klimawandel sind nicht unabhängig von der derzeitigen Proteinproduktion. Beispielsweise führt ein übermäßiger Stickstoffausstoß aus landwirtschaftlichen Verfahren und Düngemitteln zu Ammoniakemissionen und ökologischen Katastrophen wie den Toten Zonen in der Ostsee.

Experten müssen sich auf die Ressourceneffizienz in der gesamten Kette konzentrieren, da nur etwa 15% der Proteinproduktion den menschlichen Mund erreichen. Direkte Proteinzufuhr durch alternative Analoga ist eine Methode, um den Konsum zu reduzieren, obwohl kulturelle und nationale Aspekte der Essgewohnheiten berücksichtigt werden müssen. Ähnlich wie bei einer nachhaltigen Ernährung neigen Fleischanaloga dazu, gesünder und nahrhafter zu sein und sind daher entscheidend für eine nachhaltige Zukunft. Prof. Dr. Aiking schlussfolgerte, dass eine nachhaltige Eiweißversorgung für die Ernährungssicherheit, die menschliche Gesundheit und die Tragfähigkeit der Erde von entscheidender Bedeutung ist.

Nach der Präsentation von Prof. Dr. Aiking teilten sich die Teilnehmer in vier Gruppen auf, um konkrete Themen für die Workshops und mögliche Förderanträge zu diskutieren und zu entwickeln. Während der intensiven Diskussion wurden die Workshop-Themen entwickelt und ein wertvoller Erfahrungsaustausch hat stattgefunden. Alle wurden dazu aufgerufen, das Projekt und die Möglichkeiten innerhalb ihrer Institute zu verbreiten und ihre Postdocs einzuladen, sich an dem Projekt zu beteiligen.